Logo

Schulprogramm

1. Vorwort

Ministerieller Auftrag

Durch den Erlass zur Erstellung eines Schulprogramms wurde o. g. Arbeit von einer "Kür" zur "Pflicht", was zunächst Widerstände hervorrief, da obrigkeitsstaatliche Kontrollen hinter dem Erlass vermutet wurden. Im Kontext der komplexer werdenden pädagogischen Arbeit konnte in einem intensiven Kommunikationsprozess die Sinnhaftigkeit, aber vor allem die Chancen und Perspektiven der Schulprogrammentwicklung verdeutlicht werden.

Zielsetzung

In diesem Sinne gibt das Schulprogramm das Konzept der pädagogischen Grundorientierung und Entwicklungsplanung unserer Schule wieder, indem verbindliche Vorgaben und Freiräume im Hinblick auf die spezifischen Bedingungen festgelegt und mittelfristige Ziele konkretisiert werden.
Das Programm und die Zielvereinbarungen sind Gegenstand der pädagogischen Diskussion in allen Bildungsgängen und werden in regelmäßigen Abständen überprüft und angepasst.

2. Leitbild und Grundsätze der Bildungs- und Erziehungsarbeit

In unserer schulischen Arbeit lassen wir uns von folgenden Fragen leiten:

  • Wie sind wir in das gesellschaftliche Leben eingebettet und inwieweit sind wir davon abhängig?
  • Welche schulischen Aufgaben haben wir zu erfüllen?
  • Was wollen wir mit und für unsere Schülerinnen und Schüler erreichen?
  • Wie wollen wir unsere Ziele erreichen?

Gesellschaftlicher Standort

Im weitesten Sinne werden gesellschaftliche Leistungen in drei Teilbereichen erbracht: im Geistes- und Kulturleben, im wirtschaftlichen und im rechtlichen Leben.

Für ein Berufskolleg ergibt sich aus seinen berufs- und studiumsvorbereitenden, seinen berufsbegleitenden und seinen weiterbildenden Aufgaben eine intensive Verzahnung mit dem Funktionsbereich Wirtschaft und dessen Forderungen.

Zugleich ist ein Berufskolleg aber auch gesamtgesellschaftlichen Ansprüchen verpflichtet.

Unsere Rechtsordnung legt durch Menschenrechte und Grundgesetz allgemein und durch die Schulgesetze die entsprechenden Rahmenbedingungen fest.

Das Schulleben selbst wird durch die Bedürfnisse und Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern, dem Lehr- und Schulpersonal, Eltern und den Ausbilderinnen und Ausbildern bestimmt.

Wir alle leben in der Spannung zwischen Individualismus und gesellschaftlicher Verantwortung.

Schon vor dem ministeriellen Arbeitsauftrag zur Entwicklung eines Schulprogramms bildete sich im Schuljahr 1995/96 an unserer Schule ein Schulentwicklungsforum. Die Idee zu dieser Initiative entstand aus dem Bedürfnis, aus einer Stärken-/Schwächenanalyse kurz- und mittelfristige Änderungsprozesse in der Schule zu realisieren und eine Ideenwerkstatt zu institutionalisieren. Die Intention, in einem selbstbestimmten Entwicklungsprozess Veränderungen zu bewirken, führte zu einer Konsensbildung für unsere pädagogische und organisatorische Arbeit.

So konnten wir in kurzer Zeit

  • Teamstrukturen zur Verbesserung der pädagogischen Arbeit in verschiedenen Schulformen einführen
  • ein Coaching-Prinzip für junge Kolleginnen und Kollegen anbieten
  • eine Haushaltsinitiative zur Stärkung der Finanzkraft der Schule entwickeln
  • haushaltsrechtliche Entscheidungen einvernehmlich erzielen und innerhalb der Schule transparent machen
  • ein umfassendes Schulverwaltungsprogramm zur Entlastung der Lehrpersonen von Verwaltungsarbeiten realisieren
  • ein kostensparendes und umweltgerechtes Müllentsorgungskonzept umsetzen
  • eine Ansprechpartnerin für Gleichstellungsfragen institutionalisieren

 Aufgaben schulischer Arbeit

Wir wollen die Schülerinnen und Schüler befähigen, persönliche und gesellschaftliche Aufgaben und Herausforderungen leichter zu bewältigen. Wir gehen davon aus, dass zukünftig weiträumiges Denken und Handeln notwendig sind: auf deutscher, europäischer und internationaler Ebene. Deswegen werden mehr Kompetenzen im sprachlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich erforderlich sein. Darauf wollen wir die Schülerinnen und Schüler vorbereiten.

Es zeigt sich, dass die Schule neben den unterrichtlichen Aufgaben auch Erziehungsaufgaben übernehmen muss. Dabei können wir als Lehrerinnen und Lehrer allerdings nur begrenzt gesellschaftliche, familiäre und persönliche Fehlentwicklungen ausgleichen. Werte, die in der Gesellschaft nicht gelebt werden, kann die Schule allein nicht zur Geltung bringen.

Dennoch werden wir im Rahmen des uns Möglichen in unserer Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern unseren Erziehungsauftrag mutig angehen.

Unsere Ziele

Folgende Ziele, die für die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit der Schülerinnen und Schüler bedeutsam sind, haben wir uns gesetzt:

Personenbezogen

Es handelt sich zunächst um personenbezogene Ziele, die auf das Individuum und auf dessen persönliche und fachliche Entwicklung ausgerichtet sind. Dazu gehören: Förderung der Fachkompetenz, Stärkung des Selbstbewusstseins, Mündigkeit und Toleranz, Fähigkeit zu eigenverantwortlichem, selbstgesteuertem und gesellschaftsbezogenem, lebenslangem Lernen, Entwicklung von Selbstdisziplin.

Es ist uns wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler Zeitgeistansprüchen und –verlockungen nicht kritiklos ausgeliefert sind. Sie sollen vielmehr Kriterien für deren Bewertung erlernen, um verantwortungsvoll sich selbst und der Gesellschaft gegenüber, z. B. mit Medien und Technik, umgehen zu können.

Wir stellen uns bei dem Bestreben, diese Ziele zu erreichen, auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der bei uns lernenden Menschen ein. Wir betonen in diesem Zusammenhang, dass wir großen Wert auf Chancengerechtigkeit legen - für die langsam und die schnell Lernenden.

Gesellschaftsbezogen

Diese personenbezogenen Ziele stützen uns im Bemühen, die gesellschaftsbezogenen Ziele zu erreichen. Dazu gehören: die Befähigung einen Beruf auszuüben, die Studierfähigkeit, Team- und Kooperationsfähigkeit, berufsübergreifende Ziele wie die Förderung gesellschaftlichen Engagements, die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung und der Mut, für die Gleichwertigkeit aller Menschen einzutreten.

Grundsätze unserer Bildungs- und Erziehungsarbeit

Die Qualität der verfügbaren Kompetenzen zeigt sich auch nicht mehr alleine an der Menge der erlernten theoretischen Fakten, sondern vielmehr an deren Verfügbarkeit und Anwendbarkeit bei Problemlösungen. Dieses sogenannte "Prozeduale Wissen" ist somit für eine erfolgreiche berufliche und private Lebensplanung der Schülerinnen und Schüler unerlässlich. Um ihnen solche Kompetenzen zu vermitteln, richten wir uns nach dem Prinzip der Handlungsorientierung.

Kompetenzförderung

Unterrichtliche Methoden zur Kompetenzförderung sind vielfältig und vielschichtigen Bedingungen unterworfen und nicht zuletzt abhängig vom Unterrichtsinhalt. Wir setzen die verschiedenen Lehr- und Lernformen so ein, dass sie den genannten personen- und gesellschaftsbezogenen Zielen dienen. Wesentliche Methodenmaxime sind die gleichzeitige Würdigung von prozess- und ergebnisorientiertem Arbeiten und der Grundsatz durch Fordern zu fördern. Interesse und Motivation der Schülerinnen und Schüler zu fördern, ist der Motor eines lebenslangen Lernprozesses.

Bei der Vermittlung einer ganzheitlichen Handlungskompetenz wird von der Gleichwertigkeit von Sozial-, Methoden- und Fachkompetenz ausgegangen.

Arbeits- und Lernatmosphäre

Zu unserem Selbstverständnis gehört ein freundlicher und zuvorkommender Umgang miteinander. Ehrlichkeit und Offenheit fördern die Transparenz der Entscheidungsprozesse und sollen zu konsensfähigem Handeln führen. Ein kooperativer und kommunikativer Führungsstil stärkt den Teamgedanken, das Verantwortungsbewusstsein, die Zufriedenheit und Entscheidungssicherheit der Beteiligten.

Eine positive Lernatmosphäre gehört für uns zum Fundament pädagogischer Arbeit. Hierzu gehört neben der zwischenmenschlichen Gestaltung auch die gute sachliche Ausstattung der Schule. Die mit aktuellen lernfördernden Medien ausgestatteten Klassenräume, eine freundliche Ausstrahlung des Schulgebäudes, Schüleraufenthaltsräume, Cafeteria und behindertengerechte Einrichtungen sind Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Lernatmosphäre.

Chancengerechtigkeit

Die Vielzahl der angebotenen Bildungsgänge im vollzeitschulischen Bereich erfordern es, Schülerinnen und Schüler gut zu beraten. Nicht jede Bewerberin und jeder Bewerber, der sich für einen Vollzeitbildungsgang interessiert, ist auch geeignet. Die Zusammenarbeit mit den allgemeinbildenden Schulen ist ein wichtiger Baustein für die erfolgreiche Schullaufbahn der Schülerinnen und Schüler im Berufskolleg. Eine enge Kooperation mit anderen Berufskollegs, den Hochschulen, der Arbeitsverwaltung, den Ausbildungsbetrieben, der Jugendberufshilfe und "freien Trägern" soll allen Schülern optimale schulische und berufliche Entwicklungschancen eröffnen. Für persönliche Probleme der Schüler stehen insbesondere auch die SV-Verbindungs-, Drogenberatungs- und Beratungslehrerinnen und -lehrer zur Verfügung.

Kooperation und Praxisbezug

Ein wichtiger Baustein für den Erfolg des Lernprozesses ist die Kooperation aller am Schulleben beteiligten Personen. Neben der internen Kooperation ist uns der Dialog mit den Eltern, den Ausbildungsbetrieben, den Kammern und Verbänden wichtig. Der Dialog mit den außerschulischen Partnern wird gestärkt durch Ausbilderarbeitskreise, Betriebserkundungen und Praktika, durch Einbindung von Praxisexperten in den Unterricht, durch Projektarbeiten mit Betrieben, durch Studienfahrten und Förderung internationaler Partnerschaften. Eine zentrale Rolle für die Schulentwicklung spielen der Schulträger und die politischen Entscheidungsgremien. Unser gemeinsames Ziel ist die Stärkung des Wirtschaftsraumes durch die Aus- und Weiterbildung qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Innovation und Fortbildung

Die technologischen Wandlungsprozesse, die rasanten Marktveränderungen und die Forderung nach ständig neuen Qualitätsstandards erfordern ein "lebenslanges Lernen" für Lehrer und Schüler. Hierzu ist es notwendig, die Ausbildung an modernsten technischen Einrichtungen durchzuführen und regelmäßig an Fortbildungen teilzunehmen.

 

 

Additional information