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Duale Ausbildung für junge Migranten

Generalanzeiger vom 21.09.2018, von Susanne Wächter

Modellprojekt zur beruflichen Qualifizierung mit 18 Schülern ist am Berufskolleg Bonn-Duisdorf gestartet

Sie stammen aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan, haben zum Teil studiert oder bereits eine Ausbildung hinter sich. Nun drücken sie alle gemeinsam die Schulbank am Berufskolleg Bonn-Duisdorf im Rahmen des Modellprojekts Pro EQ, einer Kombination aus betrieblicher Einstiegsqualifizierung und Deutsch-Förderung.

Das Projekt ist bislang einzigartig in Bonn, denn neben der Schule absolvieren die Teilnehmer eine Ausbildung oder ein einjähriges Praktikum.

18 Schüler zählt die Klasse, die nun zweimal in der Woche die Schulbank drücken, um die deutsche Sprache noch intensiver zu lernen. „Es hätte nicht funktioniert, sie in die Berufsschule zu schicken, sie hätten dem Unterricht noch nicht richtig folgen können“, sagt Robert Zirbes, stellvertretender Geschäftsführer vom Jobcenter Bonn, einem der Partner des Projekts.

Nun, so das Ziel, werden sie am Berufskolleg an zwei Tagen die Woche in berufsübergreifenden Fächern unterrichtet. Die deutsche Sprache bildet einen Schwerpunkt. Die übrigen Tage verbringen sie in ihrem Ausbildungsbetrieb. Nour Zalat ist einer der 18 Schüler. In seiner syrischen Heimat hatte er internationale Beziehungen und Diplomatie studiert, nun möchte er eine Ausbildung zum Hotelfachmann machen. Seine Unterlagen zur Anerkennung seiner syrischen Abschlüsse werden zurzeit noch in der Landeshauptstadt geprüft. Sein Landsmann Karim Alkassa hatte Jura studiert, nun macht er ein Praktikum als Kaufmann für Büromanagement. Sie sind motiviert und wollen lernen. Schon jetzt sprechen sie ein fehlerloses Deutsch. Jaffar Amani hat schon in Afghanistan und dem Iran als Tischler und Schreiner gearbeitet. Nun hat er auch in Bonn ein Unternehmen gefunden, in dem er seinem Job weiter nachgehen kann. „Eine Ausbildung muss ich trotzdem machen, die Abschlüsse sind anders bei uns in Afghanistan als hier in Deutschland. Aber vielleicht kann ich die Ausbildung ja verkürzen“, sagt der junge Mann freudestrahlend.

Es sind nur einige Beispiele von vielen. Und es sollen mehr werden, denn die Projektpartner, zu denen das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge, das Job Center, die Volkshochschule und das Berufskolleg gehören, wollen am 1. November eine weitere Klasse eröffnen. Schulleiter Dirk Thomas ist zuversichtlich, dass genügend Schüler zusammenkommen. Dazu sollen auch die jetzigen Schüler, die seit dem 3. September schon das Berufskolleg besuchen, beitragen und es ihren Landsleuten weitergeben.

Viele der 18 Schüler werden ein Handwerk wie Karosseriebauer, Dachdecker oder Frisör erlernen. Es werden händeringend Auszubildende gesucht, wie Carlos Weyler vom Bad Godesberger Salon Carlos Hair sagt. Schüler Georg Hanna macht bei ihm eine Ausbildung. Beide sind froh, zueinander gefunden zu haben. „Es ist schwer, Nachwuchs zu finden“, sagt Frisörmeister Weyler.

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